erstellt am: 12. Mai 2016 / Breitensport

Dialog mit den Behörden

Freizeit und Amtspersonen treffen sich zu beiderseitigem Nutzen.

Alljährlich lädt der Hamburger Segler-Verband ein zu der Veranstaltung „Dialog mit den Behörden“, den traditionellen Gesprächen zwischen den Hamburger Segelvereinen und den Vertretern der Behörden und Verbände über Revier- und Sicherheitsangelegenheiten auf der Elbe und im Hamburger Hafen. Eingeladen sind u.a. die Leitungen oder Vertreter der Wasserschutzpolizei, der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, von Hamburg Port Authority, des Oberhafenamts, des Sportamts, der Lotsenbrüderschaften Hamburg und Elbe, der Wetter- und Seefunkdienste, der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU), der Hamburg Messe sowie die Fachpresse und die Vorstände der Verbände und Vereine.

Am 20. April fand die Gesprächsrunde beim gastgebenden TuSF, Turn- und Sportverein Finkenwerder, in dessen schönem Clubhaus auf der Rüschhalbinsel statt.

Der Elbtunnel hatte leider kein Einsehen. Er war dicht. So verzögerte sich der Beginn der Veranstaltung. Teils mussten Anreisende umdisponieren und die Fähren nehmen. Dann aber konnte Andreas Völker, der außer in der SVAOe auch im Hamburger Segler-Verband den Vorsitz innehat, die Gäste begrüßen.

An der Spitze der Gäste stand Christoph Holstein, Staatsrat in der Behörde für Inneres und Sport. Er erklärte sich als Windsurfer, Kiter und Katamaransegler mit dem Wassersport verbunden, was schon mal eine gute Voraussetzung für ein Behördengespräch ist, und sein langes Bleiben bis zum Schluss spricht für ein echtes Interesse an der Veranstaltung.

Jörg Dieter Pollmann, Hafenkapitän der Port Authority, berichtete über die aktuellen Baumaßnahmen im Hamburger Hafen, über Baggerungen und Verfüllungen, über die Schaffung von Liegeplätzen für 400-m-Schiffe, über die neuen Rethe- und Kattwyk-Klappbrücken, über die neue Rugenberger Schleuse, über die Kreuzfahrt-Terminals und nicht zuletzt über den Hafengeburtstag, der im letzten Jahr unter Beteiligung vieler Sportboote sehr gut gelaufen sei, was er auch in diesem Jahr erwarte.

Leitender Polizeidirektor der Wasserschutzpolizei Karsten Witt, neu in diesem Amt, hob hervor, wie wichtig ihm eine gute Zusammenarbeit zwischen Polizei und Freizeitschifffahrt sei. Er zitierte aus der Polizeistatistik, wobei er betonte, dass die gelegentlich gehörte Behauptung, die Polizei kontrolliere vorwiegend bei der Klein- und Freizeitschifffahrt, jeder Begründung ermangele. Dafür legte er Zahlen vor: Gegenüber 6891 Kontrollen bei Seeschiffen wurden 1067 Kontrollen bei Sportbooten vorgenommen. Nun sagt diese Zahl nicht viel, denn Seeschiffe fahren das ganze Jahr, tags und nachts, Sportboote dagegen nur in der Sommersaison und fast nur tagsüber. Auch ein Bezug zur Gesamtzahl der jeweiligen Schiffsbewegungen würde der Beurteilung helfen. Aber so viele Daten werden zum Glück nicht erhoben. Wichtiger sind die gefundenen Beanstandungen. Davon gab es bei den Sportbooten 333 Fälle im Jahr 2015, also 31%. Hierbei wurden 10 Straftaten festgestellt und 207 Ordnungswidrigkeiten, z.B. Verstöße gegen die Fahrregeln. Das gibt schon zu denken. Noch nachdenklicher macht, dass bei 263 Unfällen auf der Elbe 62 Sportboote beteiligt waren und davon 51 sogar als Verursacher. Als Ursachen wurden 19 Mal die Nichtbeachtung von Verkehrsvorschriften festgestellt und nur 5 Mal technische Mängel. Man fragt sich angesichts dieser Zahlen, ob eine Lockerung der Anforderungen an den Erwerb von Sportbootführerscheinen, wovon geredet wird, gerechtfertigt ist. In diesem Zusammenhang wurde aus dem Publikum gefragt, ob die jüngste Erhöhung der Motorleistung auf 12 kW, ab der ein Sportbootführerschein erforderlich ist, zu den Unfällen beigetragen habe. Darüber führt die Polizei aber keine Statistik.

Der Ältermann der Hafenlotsen Kulisch gab den Sportbootleuten den guten Rat, dass die Freizeitboote wegen der zunehmenden Größe der Seeschiffe Gefahrensituationen vermeiden sollten. Rechtzeitiges Ausweichen sei immer eine weise Entscheidung. Dem kann sich jeder vernünftige Segler und Motorbootfahrer anschließen.

Der Ältermann der Lotsenbrüderschaft Elbe, Dalege, hatte am Verhalten der Sportboote nichts auszusetzen. Es gab 2015 nur einen Fall, der zur Anzeige führte.

Dr. Brockmeyer vom Führerscheinwesen des DSV gab einen Überblick über die in der Diskussion befindlichen umfangreichen Änderungen bei den Sportbootführerscheinen. Dazu gehören Vereinfachungen in den Prüfungen, die Zusammenlegung von Binnen und See beim Sportbootführerschein, Umbesetzung bei den Prüfungsausschüssen und – wohl aufgrund etlicher Beschwerden – Eignungstests für Prüfer. Wir dürfen gespannt sein.

Jörg Osterwald, Projektgruppenleiter Elbeausbau beim WSA Hamburg, schilderte ironisch und schicksalsergeben die Schwierigkeiten bei der Erreichung und Umsetzung von Planfeststellungsbeschlüssen zur Fahrrinnenanpassung der Elbe. Das soll hier im Einzelnen nicht wiedergegeben werden. Aber wir Freizeitschipper erleben immer wieder die konkurrierenden Interessenlagen von Wirtschaftsverkehr und Umweltschutz auf unserem Gewässer.

Ulrich Bösel (Leiter Schiffahrtswesen in der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes), hatte einiges zum NOK zu erzählen. Insbesondere über die derzeitige Gebührenfreiheit für Sportschiffe, die sich aus der Tatsache ergeben hatte, daß die Leitern in den Schleusen nicht mehr betreten werden dürfen. Sie sind nur noch für Not- und Rettungsfälle geeignet. Bis es geeignete Bezahlmöglichkeiten – Automaten außerhalb der Schleusen, via Internet oder als Smartphoneapp – gibt, werden keine Gebühren erhoben. Weiterhin berichtete er über den Stand der Arbeiten an den Schleusen und die jeweiligen Neubaupläne. Das wird allerdings noch Jahre dauern bis es zu Effekten für uns Sportschiffer kommt. Auf der Internetseite www.wsv.de gibt es unter http://www.wsa-kiel.wsv.de/Service/index.html und http://www.wsa-brunsbuettel.wsv.de/service/index.html Jeweils aktuelle Informationen über die jeweilige Situation zu finden.

Jürgen Albers von der BSU, der einen kurzen Bericht über die Arbeit in 2015 gab. Es gab zwei Tote Sportbootfahrer zu beklagen. In beiden Fällen waren es ältere Herrschaften, die bei Wartungsarbeiten auf Ihren Booten in eine ausweglose Lage gerieten, aus der sie sich nicht mehr befreien konnten und so verstarben. In beiden Fällen wurden die Leute erst gefunden, nachdem die jeweiligen Ehefrauen ihre Männer als vermißt gemeldet hatten. Deshalb erging der Hinweis, daß man Arbeiten an Bord nicht ganz allein durchführen sollte, sondern möglichst eine zweite Person in der Nähe haben sollte.

Ende der Veranstaltung um 21.25 Uhr.

Bericht Götz Nietsch und Martin Borkmann