Bericht der Beisitzerin für Nautik, Sicherheit und Führerscheinwesen Kerstin Kröger

Ausbildung und Führerscheine

Auf der Informationsveranstaltung des DSV während der Bootsausstellung wurden auch in diesem Jahr wieder die Tendenzen bei den Führerscheinprüfungen dargestellt.

Beim Sportbootführerschein Binnen war die Zahl der erteilten Führerscheine leicht rückläufig, während beim Sportbootführerschein See wieder eine leichte Zunahme zu verzeichnen ist. 2015 wurden nur noch 4194 SKS-Scheine erworben, das sind 94 weniger als im Jahr zuvor, auch der Sportseeschifferschein liegt mit 371 erteilten Scheinen 33 unter dem Vorjahr. Den Sporthochseeschiffer haben in 2015 nur noch 86 Personen erworben, 11 weniger als im Vorjahr, in 2016 sind es voraussichtlich noch weniger.

Die Theorieprüfung beim Sportbootführerschein See haben 10,5 % nicht bestanden, das lag hauptsächlich an den Kartenaufgaben. Ansonsten liegen die Quoten für das Nichtbestehen bei beiden Sportbootführerscheinen bei ca. 5 Prozent. Dies ist beim Fragebogen des SKS ebenso, bei den Kartenaufgaben ist die Durchfallquote auf etwas über 10 Prozent fast halbiert gegenüber dem Vorjahr, in der Praxis scheitern hier etwa 9 Prozent. Hohe Nichtbestehensquoten haben der SSS (Theorie 34 %, Praxis19%) und der SHS (Theorie 31%), hier ist die Praxisprüfung eine Prüfung zur Handhabung von Yachten mit 13% Durchfallern. Bei den Prüfungsergebnissen zeigt sich der Trend, dass jüngere Prüflinge weniger Schwierigkeiten haben als ältere, vielleicht, weil sie beim Lernen besser im Training sind.

Grundsätzlich ist es förderlich, vor dem Sportseeschifferschein den Sportküstenschein abzulegen.

Die Diskussion um das Verbot programmierbarer Taschenrechner ist beigelegt. Es gibt beim DSV eine Liste der zugelassenen Taschenrechner. Damit Prüflinge so einen einfachen Taschenrechner nicht extra kaufen müssen, werden zugelassene Rechner nach Auskunft bei der Informationsveranstaltung von den Seefahrtsschulen gestellt.

Aufgrund der Tatsache, dass die Satellitennavigation in den letzten Jahren fester und zuverlässiger Bestandteil der Navigation geworden ist, wagt man beim DSV die Vorhersage, dass in nicht allzu ferner Zukunft die Astronavigation nicht mehr Prüfungsbestandteil sein könnte. Dies hängt aber von Entscheidungen internationaler Kommissionen ab.

Bei den Funkzeugnissen sind die Prüfungszahlen durchgehend rückläufig, hier scheint inzwischen der Nachholbedarf gedeckt zu sein. Hier liegen die Nichtbestehensquoten bei 4 Prozent in der Theorie, in der Praxis beim UBI unter 3 Prozent, beim SRC bei knapp 9 Prozent und beim LRC sogar bei fast 16 Prozent.

Beim Sportbootführerschein steht mal wieder eine Reform an, die im letzten Jahr auch schon angekündigt wurde. Sie sieht eine Zusammenfassung der SBF-Verordnungen Binnen und See vor. Im Binnenbereich gilt der Sportbootführerschein in Zukunft für Schiffe bis 20 m Länge, die Definition „Sportboote“ wird auf die Verwendung als solche erweitert, so dass zum Beispiel auch ehemalige Festmacherboote, die nun ausschließlich als Sportboot gefahren werden, mit diesem Führerschein geführt werden dürfen. Ferner soll es Ausnahmen von der Fahrerlaubnispflicht für Boote mit Motoren bis 15 PS geben, diese dürfen dann auch von Personen unter 16 Jahren gefahren werden, wobei aber zu beachten ist, dass die Verantwortung bei den jeweiligen Erziehungspflichtigen liegt. (Es empfiehlt sich, geeignete Haftpflichtversicherungen abzuschließen.)

Die neue Sportbootführerscheinverordnung sieht eine Vereinfachung bei der Zulassung in Bezug auf Zuverlässigkeit und Tauglichkeit vor. Die Teilprüfungen können an verschiedenen Terminen abgelegt werden, dabei gilt eine Jahresfrist für beide Teile. Eine Wiederholungsprüfung ist nun früher möglich, nur nicht am selben Tag. Die Prüfungsausschüsse werden vom DMYV, DSV oder von beiden gemeinsam gebildet. Bei der Theorie kann die Prüfungskommission in Zukunft nur noch aus zwei Prüfern bestehen.

Prüfer und Prüfungsausschussleiter müssen einen Eignungstest durchlaufen und ihre fachliche und soziale Eignung nachweisen. Sie werden durch die oben genannten Verbände, nicht durch das Ministerium bestellt und auch wieder abberufen.

Die Fach- und Rechtsaufsicht des Seeteils soll von der Generaldirektion Wasser und Schifffahrt gestellt werden. Prüfungen im Ausland werden möglich sein und es wird Änderungen bei den Gebühren und Nebenkosten geben, die Reisekosten für die Prüfer sollen bereits in den Prüfungsgebühren enthalten sein.

Es wird nur noch ein Sportbootführerschein-Dokument geben, dies wird eine Karte sein, auf der der Geltungsbereich und -Umfang vermerkt sein soll (Binnen, See, Motor, Segeln).

Die Frage, wie lange die Ausstellung dauert, ist noch ungewiss. Es ist kein Zwangsumtausch der alten Dokumente vorgesehen. Das Inkrafttreten der neuen Verordnung ist für 2017 geplant.

Auf diesem Informationstermin des DSV wurde darauf hingewiesen, dass es auch zu einem Entzug des Sportbootführerscheines durch die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt kommen kann, z.B. bei festgestellter Alkoholsucht oder Demenz. Weiterhin wurde berichtet, dass es etwa einmal im Monat vorkommt, dass ein gefälschter Führerschein entdeckt wird, der zur Umschreibung vorgelegt wird.

Ab dem 1. Januar 2017 hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Die Durchführungsrichtlinien für den Sportsee-, -Sporthochseeschffer (SSS/SHS) und den Sportküstenschifferschein (SKS) geändert. Dies betrifft besonders die Abnahme der praktischen Prüfungen. Außerdem gibt es Änderungen bei den Durchführungsrichtlinien Traditionsschifffahrt. Die Änderungen sind im Verkehrsblatt des BMVI, Heft 8, S. 338 ff. veröffentlicht worden.

Laut DSV werden beim SKS in Zukunft deutlich mehr Manöver geprüft, dafür wird die praktische Prüfung nun maximal 45 Minuten dauern können gegenüber vorher 30 Minuten.

In der Regel darf es für missglückte Manöver einen zweiten Versuch geben, es sei denn, ein Manöver misslingt durch augenscheinliche Unfähigkeit des Prüflings (z.B. Patenthalse bei viel Wind).

Beim Sportseeschiffer dagegen wird es keinen zweiten Versuch für missglückte Manöver geben, hier wird die praktische Prüfung von 90 auf maximal 120 Minuten verlängert.

Navigation, Ausrüstung und Sicherheit

Im Sommer vergangenen Jahres lud die Vizepräsidenten des DSV Mona Küppers, die für das Fahrtensegeln verantwortlichen Beisitzer die Landesseglerverbände zu einem Treffen in die DSV Geschäftsstelle. Ein Ergebnis dieser Sitzung war die Feststellung, dass die Bedürfnisse der Fahrtensegler in Deutschland je nach Segelrevier sehr unterschiedlich sind. Während im Osten Deutschlands Fahrtenbücher ein Thema sind und dort für die Segelreisen Punkte gesammelt und dafür Anerkennungen vergeben werden, haben die Seesegler in Norddeutschland weniger Interesse an gelenkten Aktivitäten. Auch die Schulungsbedürfnisse sind je nach Segelrevier sehr unterschiedlich. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde auf das umfangreiche Ausbildungsprogramm der Kreuzer-Abteilung des DSV hingewiesen, das, unabhängig von Führerscheinausbildungen, eine Weiterqualifizierung bietet und sehr viele verschiedene Fachgebiete abdeckt. Auf der Internetseite der Kreuzer-Abteilung des DSV kann man sich unter der Rubrik „Ausbildung“ über das Lehrgangs- und Seminarangebot informieren.

Segler, die den Nord-Ostsee-Kanal nutzen, müssen sich in diesem Frühjahr auf lange Wartezeiten einstellen. Wegen notwendiger Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten soll ab dem 18. April 2017 für ca. 3 Monate jeweils nur eine Kammer der Großen Schleuse in Kiel-Holtenau für den gesamten Schiffsverkehr genutzt werden können.

Über das Thema, Überbordgegangene zu finden und wieder an Bord zu bekommen, machen sich viele Segler, aber auch Ausrüstungsfirmen, immer wieder Gedanken und so ist es in der letzten Zeit zu einigen Neuentwicklungen gekommen, von denen ich hier nur einige vorstellen möchte. Die Ortung eines Überbordgegangenen kann bei hohem Seegang oder auch, wenn man den Unfall nicht gleich bemerkt, schwierig sein. Gerade wenn man nur zu zweit segelt, ist es schwierig, die Person im Auge zu behalten und gleichzeitig die Manöver durchzuführen. AIS-basierte Sender, die an der Person getragen werden, haben den Nachteil, dass auf vielen (Charter-)Yachten kein AIS-Empfänger vorhanden ist. Hier ist nun ein neues System entwickelt worden, das aus einem Sender und einem Empfänger besteht. Dieses System arbeitet nicht auf UKW-Seefunk-Frequenzen sondern im lizenzfreien ISM-Band. Man braucht dafür also keinen Funkschein und keine Registrierung. Die Reichweite des Mobos-Systems beträgt je nach Antennenhöhe bis 5 sm. Da man mit dem Signal nicht automatisch eine Rettungsaktion auslöst, kann mit diesem System auch geübt werden. Es ist allerdings recht teuer.

Eine weitere Neuerung ist eine Smartphone-App der DGzRS, die demnächst auf den Markt kommt. In den Niederlanden hat eine entsprechende App der dortigen Rettungsgesellschaft schon 25000 Nutzer, es hat dort schon 50 erfolgreiche Einsätze mit Unterstützung dieser App gegeben. Sie funktioniert allerdings nur bei guter Netzabdeckung und wenn das Mobilgerät genug Strom hat.

Hat man den Überbordgegangenen nah genug am Schiff, geht es darum, ihn wieder aus dem Wasser zu kriegen. Hier gibt es drei relativ neue Systeme, eines funktioniert wie das Netz eines Krabbenkutters, eines zieht mit der Kraft eines Bremsfallschirms den Verunglückten an Bord, wenn die Maschine genug Kraft hat. Das dritte ist ein Rettungsnetz, das an der Bordwand befestigt werden kann und, falls der Verunglückte noch genügend Kraft hat, als Leiter dient. Ist dies nicht der Fall, kann dieser Mithilfe des Spifalls in liegender Position aus dem Wasser gezogen werden, was auch im Falle einer Unterkühlung günstig ist.

Die Kollisionsverhütungsregeln (KVR) gelten international und regeln das Ausweichverhalten von Schiffen untereinander. Das Ausweichmanöver sollte frühzeitig und gut erkennbar sein, der Kurshalter sollte Kurs und Geschwindigkeit deutlich beibehalten. Es hat seine Gründe, dass in der Schifffahrt nicht von Vorfahrt gesprochen wird, denn die Folgen, wenn auf dem Wasser auf dieser bestanden wird, sind oft lebensgefährlich und nicht, wie im Straßenverkehr mit Blechschaden abgetan. So gibt es das Manöver des letzten Augenblicks, das dem Kurshalter abverlangt, kurz vor der drohenden Kollision seinen Kurs so zu ändern, dass eine Kollision verhindert wird. Für diese Kursänderung gibt es feste Regeln, so weicht man bei Entgegenkommen immer nach Steuerbord aus. Innerhalb der Zwölf-Meilen-Zone gelten Nationale Gesetze, die die KVR ergänzen und möglicherweise örtliche Besonderheiten berücksichtigen. Es ist also wichtig, diese zu kennen, denn widersprechen sich KVR und örtliche Vorschriften, gilt die speziellere. In engen Fahrwassern kann die Regel „wer den Wind von Backbord hat muss ausweichen“ nicht immer angewendet werden, denn derjenige, der das Fahrwasser quert ist ausweichpflichtig.

Ein besonderer Fall sind bei den Ausweichregeln die Schnellfähren. Als motorgetriebene Schiffe müssten sie auf den meisten Gewässern Schiffen unter Segeln ausweichen. Da sie aber auch hohe Wellen werfen, sollte man ihnen als kleineres Boot lieber nicht zu nahe kommen. Man muss als Segler wissen, dass die Zeit von der Sichtung bis zur Passage dieser Schiff extrem kurz ist. Die Fahrgebiete und Fahrtrichtungen der Schnellfähren lassen sich meist den Seekarten entnehmen, hier sollte man sehr aufmerksam Ausschau halten. Es ist sehr schwer abzuschätzen, ob man auf Kollisionskurs mit diesen Schnellfähren liegt. Eine sichere Ausweichmöglichkeit ist es, auf einen Punkt hinter der Fähre zuzusteuern, da die Fähre sehr schnell vorbei ist, kann man schon nach kurzer Zeit seinen alten Kurs wieder aufnehmen. Da die Schnellfähren die Verkehrssituation auch über Hilfen wie Radar und AIS erfassen, sollte die Ausweichbewegung auch und besonders hier sehr frühzeitig und deutlich erfolgen.

Pressemitteilung des DSV vom 25.Januar 2017
(angefügt vom Protokollführer)

Neue Sportbootführerscheinverordnung spätestens zum 1. Mai 2017

SBF Binnen und SBF See werden zusammengefasst ▪ Unnötige formale Hürden werden abgeschafft 

Hamburg, 25. Januar 2017.
Nach jüngsten Informationen des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) tritt spätestens zum 1. Mai 2017 die neue Sportbootführerscheinverordnung in Kraft. Sie ersetzt die bisherigen Sportbootführerscheinverordnungen Binnen und See. Darüber hinaus gibt es anstelle der beiden Führerscheine SBF Binnen und See künftig nur noch einen Sportbootführerschein. Auf diesem werden die jeweiligen Geltungsbereiche – Binnenschiffahrtstraßen und/oder Seeschiffahrtsstraßen – vermerkt.

Für Führerschein-Aspiranten wird ab dem 1. Mai einiges einfacher. Künftig haben sie zum Beispiel die Möglichkeit, die Theorie- und die Praxisprüfung an verschiedenen Orten abzulegen. So können sie den praktischen Teil im Urlaub absolvieren und nach der Heimkehr den theoretischen Nachweis erbringen. Außerdem können sie die Prüfung für den neuen Sportbootführerschein mit dem Geltungsbereich Seeschiffahrtsstraßen auch im Ausland ablegen. Prüfungsanträge dürfen bis eine Woche vor dem Termin eingereicht werden; bisher war dies nur bis zwei Wochen vorher möglich. Auch das ärztliche Zeugnis, das für die Prüfung erforderlich ist, wird einfacher.

2015, 2014, 2013