2014-Bericht der Beisitzerin für Nautik, Sicherheit und Führerscheinwesen Kerstin Kröger

Ausbildung und Führerscheine

Nachdem es in den letzten Jahren einige Änderungen bei den amtlichen Führerscheinen und Prüfungen gegeben hat, ist nun Ruhe eingekehrt. Auch von der Beleihung des ADAC ist zurzeit keine Rede mehr. Auf der Internetseite des DSV kann man eine Liste der ausbildenden Vereine für jedes Bundesland abrufen.
Segelkurse gibt es jetzt auch als Fernunterricht, interaktive Lern-DVDs oder Apps für das Smartphone erleichtern das Üben für den Sportbootführerschein. Es werden darüber hinaus von verschiedenen Anbietern aber auch sehr sinnvolle Weiterbildungsseminare über Motorenkunde, Medizin an Bord und Wetterkunde angeboten. Einige Hamburger Vereine bieten im Winterhalbjahr nicht nur für ihre eigenen Mitglieder Vorträge zu verschiedenen Segelthemen an, die sehr interessant und lehrreich sind.

Ausrüstung und Sicherheit

Durch die fortschreitende Internationalisierung der Seekarten wird es überflüssig für die Nationalen Hydrographischen Institute, Seekarten für alle fremden Gewässer herauszugeben, hier lassen sich Kosten einsparen. Eine verlässliche Qualität der Seekarten bieten vor allem Amtliche Sportbootkarten, die für das besegelte Gebiet an Bord sein und auch als Backup benutzt werden sollten. Natürlich ist es einfach, mit der elektronischen Seekarte am Steuerstand zu navigieren, aber es ist dabei unbedingt wichtig, stets den richtigen Maßstab der Seekarte für die Kursplanung aufzurufen, damit auch wirklich alle Tonnen und Hindernisse angezeigt werden. Welche Folgen ein zu nachlässiger Umgang mit der Navigation haben kann, konnten wir vor kurzem auf dem Titel eines bekannten deutschen Segelmagazins sehen.
Auch freie Seekartenprojekte, die man auf elektronischen Medien wie Tablets oder Smartphones herunterladen kann, sind kein Ersatz für amtliche Karten, auch wenn diese von den Benutzern stetig aktualisiert werden können. Eine Garantie für die Richtigkeit der enthaltenen Informationen gibt es nicht. So können diese Systeme lediglich als Ergänzung zu den herkömmlichen Karten benutzt werden.
Nach einem Segelsommer mit langen Schönwetterperioden hat man wahrscheinlich nur gute Erinnerungen an die letzte Reise. Leider bietet jedoch nicht jeder Sommer bei uns im Norden so ideale Bedingungen. Um so mehr ist es notwendig, sich bei der Planung von Törns schon im Vorwege mit den zu erwartenden Wetterbedingungen zu beschäftigen.Gegen Gebühren kann man bei verschiedenen Anbietern Langfrist-Wetterprognosen abfordern und sich danach für das Fahrtgebiet der diesjährigen Sommerreise entscheiden.
Je nach Seetüchtigkeit des Bootes und der Besatzung ist die Frage, bei welchem Wetter man noch segeln kann, für jeden Skipper unterschiedlich zu beantworten. Viele vorsichtige Segler mit gesunder Selbsteinschätzung haben so ihre Norwegenreise immer wieder aufgeschoben und sind dahin gesegelt, wo schöneres Wetter war und sie den Zugrichtungen der Tiefs ausweichen konnten. Wenn man unter Zeitdruck steht und zu einem bestimmten Termin wieder im Heimathafen oder bei der Charterbasis sein muss, ist es besonders wichtig, das Wetter für die Rückreise im Auge zu behalten, denn es ist ein Unterschied, ob man bei 7 Windstärken den Wind von vorne oder von der Seite hat. So kann eine günstige Windrichtung bei diesen Windstärken zu einer schnellen Rückreise beitragen, kommt der Wind aber gegenan, geraten besonders Crews mit älterer oder unerfahrener Besatzung leicht in Situationen, die man im Urlaub eigentlich nicht haben möchte. Eine vorausschauende Törnplanung ist also ein wichtiger Sicherheitsaspekt.
Auch wenn die Radio-Seewetterberichte nun eingestellt worden sind, gibt es heute viel mehr Möglichkeiten als früher, über das Internet an hervorragende und zuverlässige Informationen über das zu erwartende Wetter zu gelangen. Besonders geeignet sind natürlich die Wetterinformationen des betreffenden Landes, in dem man sich befindet, da lokale Wetterphänomene wesentlich genauer vorhergesagt werden. Oft sind die Darstellungen selbst erklärend, jedoch kommt man schon mit wenigen Vokabeln aus der Fachterminologie auch mit schriftlichen Informationen klar. Ein Wörterbuch in der Landessprache hilft zur Not.
Besonders wertvoll für die Etappenplanung sind interaktive Wetterdarstellungen, bei denen sich Windrichtung und -stärke stündlich anzeigen lassen. So kann es sinnvoll sein, abzuwarten, wenn der Wind sich in den späten Stunden des Tages etwas legt oder eine günstigere Richtung annimmt. Oder man läuft ganz früh aus, um im Hafen zu sein, wenn die Schlechtwetterfront durchzieht. Auch Nachttouren kann man in Erwägung ziehen, wenn man entsprechende Erfahrungen hat und diese gut vorbereitet sind.
In jedem Fall ist es nützlich, selbst über Grundwissen hinausgehende Kenntnisse über Wetteranzeichen zu haben. Zu diesem Zweck kann man sich in einschlägiger Literatur schlau machen oder Wetterseminare und Vorträge besuchen. Besonders bei hochsommerlichen Wetterlagen ist es sehr sinnvoll, wenn man ein herannahendes Gewitter rechtzeitig an der Wolkenbildung erkennen kann und weiß, wie sich die Wetterverhältnisse bei Durchzug eines solchen verändern können.
Natürlich gehört nach wie vor ein Barometer an Bord, dieses sollte regelmäßig abgelesen und die Werte im Logbuch eingetragen werden. Stellt man dann fest, dass der Luftdruck sich über mehrere Stunden schnell verändert, kann man auch ohne Wetterbericht davon ausgehen, dass starker Wind zu erwarten ist.

Navigation

Die Navigation mit elektronischen Geräten ist leicht erlernbar und auch für unerfahrene Skipper intuitiv umzusetzen. Man fühlt sich sicher, da man jederzeit auf dem Bildschirm sehen kann, wo das Schiff sich befindet, wie weit es von der Untiefe entfernt ist. Wo man früher vorsichtshalber eine Tonne genommen hat, kürzt man heute schon einmal ab, da ja die Tiefenlinien auf dem Plotter gut zu erkennen sind. Wie riskant das ist, wird einem erst klar, wenn man an einer engen Einfahrt auf dem Plotter über Land fährt. So genau sind die GPS Daten, aber auch die Karten, nämlich nicht überall! Außerdem gibt es sogar in Skandinavien Gebiete, in denen nicht alle Untiefen in den Seekarten verzeichnet sind. Hier hält man sich, besonders mit tiefer gehenden Yachten, am besten an die eingezeichneten Kurslinien.
Schaltet man die Elektronik ab und navigiert wie früher, beschleicht einen schon mal das Gefühl einer gewissen „Blindheit“. So schnell hat man sich an die bildliche Darstellung des Schiffs auf der Seekarte gewöhnt, dass man sich auch als Anfänger in der Navigation sicher fühlt. Doch die Schadenstatistiken der Versicherer zeigen mit zunehmender Verbreitung von GPS-Plottern eine deutliche Zunahme von schweren Grundberührungen. Das ist sicher auf ein falsches Sicherheitsgefühl und eine gewisse Sorglosigkeit der Schiffsführer zurückzuführen. Bei der Navigation mit diesen Geräten ist es nämlich von größter Wichtigkeit die richtige Zoomstufe einzustellen. Besonders wenn man im Überseglermodus größere Strecken absegelt werden nicht alle Untiefen und Hindernisse angezeigt. Deshalb sollte man immer nach dem Festlegen der Kurslinie diese in hoher Zoomstufe noch einmal verfolgen, um sicherzugehen, dass man keine Untiefen übersehen hat.
Natürlich können Unfälle auch durch plötzliche Systemausfälle passieren. Dafür kann es vielerlei Ursachen geben. Mangelnde Batteriespannung, die den Bildschirm dunkel werden lässt, Blitzeinschläge in der Umgebung des Schiffes oder lose Kabelverbindungen sind da nur einige Möglichkeiten.
Gute Seemannschaft ist nach wie vor Grundlage des klugen Segelns, als Anfänger sollte man sich nicht zu viel zutrauen. Eine bestandene Führerscheinprüfung ist lediglich die Lizenz von nun an alleine zu üben. Erfahrungen muss man selbst sammeln, am besten ist es jedoch, sich nicht gleich als verantwortlicher Schiffsführer auf große Fahrt zu begeben, sondern noch eine Weile als Crew bei erfahrenen Schiffsführern mit zu segeln.
Die althergebrachte, im Führerscheinkurs erlernte Navigation auf der Papierseekarte mit koppeln, Peilungen und anderen Positionsbestimmungen sollte man weiter üben. Umso besser, wenn das Ergebnis dann mit der Position auf der elektronischen Seekarte übereinstimmt. Dabei kann man gar nicht sicher sein, dass die GPS-Daten immer richtig sind. Eine Überprüfung und ein Abgleich der Position sollte immer wieder durchgeführt werden. Wer in regelmäßigen Zeitabständen die aktuelle Position auf der Papier-Seekarte einträgt, ist vor bösen Überraschungen gefeit, wenn die Elektronik ausfällt und merkt, wenn er sich einer Gefahrenstelle nähert.
Ganz wichtig ist jedoch auch die genaue Beobachtung der Umgebung. Untiefen lassen sich rechtzeitig erkennen, Windveränderungen mit einiger Erfahrung vorhersehen und letztlich kann auch ein treibendes Hindernis nur durch sorgsamen Ausguck erkannt werden.

2013