2013 Bericht der Beisitzerin für Nautik, Sicherheit und Führerscheinwesen Kerstin Kröger

Ausbildung und Führerscheine

Das Jahr 2012 hat im Bereich Sportbootführerscheine einige Veränderungen gebracht. Seit dem 17. Oktober gilt die Führerscheinpflichtgrenze ab einer Nutzleistung von 11,03 kW (15 PS), das heißt, dass man für Boote, die stärker motorisiert sind, auf Binnenrevieren den Sportbootführerschein Binnen, im Bereich der Seeschifffahrtsstraßen den Sportbootführerschein See braucht.

Für geringer motorisierte Schiffe gilt es aber auch ohne Führerschein einige Einschränkungen zu beachten: Im Bereich der Seeschifffahrtsstraßen ist das Fahren mit Sportbooten mit einer Nutzleistung bis 3,68 kW (5 PS) ohne Altersbeschränkung zulässig. Hier ist aber bei Kindern und Jugendlichen die Aufsichtspflicht der Eltern zu beachten!!!
Liegt die Nutzleistung des Sportbootmotors zwischen 3,68 und 11,03 kW (5 und 15 PS), so darf der Schiffsführer nicht unter 16 Jahre alt sein.
Im Bereich der Binnenschifffahrtsstraßenordnung, mit Ausnahme des Rheins, darf man ab 16 Jahren Sportboote unter 15 m Länge und mit Nutzleistung bis 11,03 kW ohne Fahrerlaubnis führen. Auf dem Rhein ist weiterhin eine Fahrerlaubnis für Sportboote ab einer Nutzleistung von mehr als 5 PS (3,68 kW) erforderlich.
Regeln für das Befahren von Landesgewässern und den Bodensee sind von der Änderung nicht betroffen. Die Sportbootführerscheinpflicht für Segelsurfbretter wurde bereits im April, auch für Berliner Gewässer, aufgehoben.

Seit dem 31. Oktober 2012 werden Sportbootführerscheinprüfungen für die Bereiche Binnen und See nur noch nach den neuen Richtlinien durchgeführt.

Korrekturen der neuen Frage- und Antwortkataloge, sowie die Verteilung der Fragen auf die einzelnen Fragebögen, wurden im Verkehrsblatt Nr.06/12 am 31. März 2012 veröffentlicht. Die Prüfungsfragen können auch unter „www.elwis.de“ herunter geladen werden. Für den SBF Binnen gibt es die drei Module Basisfragen, Spezifische Fragen Binnen und Spezifische Fragen Segeln. Die Module für den SBF See heißen: Basisfragen, Spezifische Fragen See und Navigationsaufgaben. Die dort vorhandenen Multiple-Choice-Fragebögen sind so gestaltet, dass die erste Antwort immer die richtige ist. In der Prüfung ist dann die Reihenfolge der Antworten eine andere. Die Antwortmöglichkeiten unterscheiden sich zum Teil nur durch geringe Details, so dass man sehr genau lesen muss und eine gute Vorbereitung nach wie vor wichtig ist. Erleichterung bringt dieses Verfahren vor allem für die Prüfer, die sich nicht mehr mit unklaren und unleserlichen Antworten beschäftigen müssen.
Erleichterung für die Prüflinge gibt es bei den Navigationsaufgaben. Im Bereich der Deutschen Bucht brauchen sie bei der Prüfung nicht mit Strömung zu rechnen. Hoffentlich hat ihnen in der Ausbildung jemand beigebracht, dass dieses Revier im richtigen Leben etwas größere Herausforderungen bietet.

In einigen Medien wurde kritisiert, dass die Sportbootführerscheinprüfungen zu schwer seien. Hintergrund sind die Interessen der Wassersportwirtschaft, die natürlich anstrebt, so viele Menschen wie möglich als Kunden zu gewinnen. Dabei sollte deren Sicherheit aber auf keinen Fall außer Acht gelassen werden. Eine gute Ausbildung und hinreichende Beschäftigung mit der Materie ist im Bereich Wassersport lebenswichtig. Insofern sollten Segelvereine und –verbände als Instanzen, die fachliches Wissen weitergeben können, als Gegengewicht zu rein monetären Interessen, dazu beitragen, dass die Prüfungen nicht zu leicht gemacht werden. Denn die Erfahrung zeigt, dass das, was nicht geprüft wird, aus Gründen der Kostenersparnis auch nicht gelehrt wird.

Ausrüstung und Sicherheit

Gute Wetterberichte sind für die Sicherheit beim Segeln sehr wichtig. Vom Medium Radio werden wir uns in näherer Zukunft in Bezug auf Seewetterberichte aber wohl verabschieden müssen. Die Wetterberichte von NDR auf 702 kHz und 972 kHz, Deutschlandfunk (1269 kHz) und Deutschlandradio Kultur (177 kHz) werden 2014 voraussichtlich eingestellt.
Inzwischen gibt es aber sehr viele andere Möglichkeiten Wetterberichte einzuholen. So kann man zum Beispiel Seewettervorhersagen für europäische Gewässer per SMS abrufen. Erstellt werden diese Wetterberichte von „WetterWelt“, über die Internetseiten der „Yacht“ und „boote“ kann man sich anmelden und den Dienst freischalten lassen. Sowohl Einzelabfrage als auch automatische Zusendung ist möglich. Die Vorhersagen werden alle 12 Stunden aktualisiert. Natürlich gibt’s das nicht umsonst. Für Nutzer elektronischer Seekarten gibt es die Möglichkeit, Wettervorhersagen in der Seekarte sichtbar zu machen. GRIB-Daten machen dies möglich. Sie können Angaben über Windrichtung und –stärke, Wellenhöhe und Wellenrichtung, Wettererscheinungen und Luftdruck beinhalten. Es gibt sie kostenlos wie auch kostenpflichtig von unterschiedlichen Anbietern. Hierüber kann man sich näher im Internet informieren. Außerdem geben die Hersteller der genutzten Navigations-Software Informationen darüber, wie man das Wetter in die Seekarte bekommt. Auch bei Meeno Schraders „WetterWelt“ kann man sich über dessen Angebot beraten lassen.
Die Vorhersage ist sehr viel genauer als in den herkömmlichen Wetterberichten, da sie für einzelne Orte stündliche Angaben macht, die zeitnah natürlich viel exakter sind als in der Vorhersage für Zeiträume von mehreren Tagen. Trotzdem ist die Prognose der Wetterentwicklung ein sehr nützliches Instrument für die Törnplanung und unterstützt damit auch die Sicherheit, da man vor ungünstigen Wetterentwicklungen rechtzeitig gewarnt wird. Für die Wahl des richtigen Unterwasseranstrichs kann man im Internet unter www. bewuchs-atlas.de wertvolle Tipps erhalten.
Ab dem 1. April 2015 wird in Schweden die Einleitung von Schwarzwasser(Fäkalien) in Seen, Wasserstraßen und Küstengewässer verboten sein. Bis dahin soll es dort genug Entsorgungsstationen geben.

Navigation

In den kommenden Jahren werden in unseren Segelrevieren immer mehr Windkraftanlagen errichtet werden. In der Nordsee werden diese außerhalb der Sichtweite von Land errichtet, so dass Segler dort im Küstenbereich nicht darauf treffen. Anders sieht dies in der Ostsee aus.
111 Windkraftanlagen werden zurzeit im Kattegat zwischen Grenaa und Anholt errichtet. Deswegen ist dort ein riesiges Sperrgebiet eingerichtet worden, das auf dem Weg zwischen den beiden Orten umfahren werden muss. Während der Errichtungsarbeiten ist hier auch mit erhöhtem Verkehrsaufkommen durch an den Arbeiten beteiligten Schiffen zu rechnen. Die Verbotszone soll durch Radar und Satellit überwacht werden.
Auch in anderen Teilen der Ostsee, zum Beispiel auf den Routen zwischen Deutschland, Schweden und Bornholm, werden wir in Zukunft auf Windparks treffen. Für Schiffe über 24 Meter Länge ist das Befahren grundsätzlich verboten, so dass sich die Berufsschifffahrt auf Korridoren außerhalb der 500 Meter-Sicherheitszonen um diese Windparks herum konzentrieren wird. Kleinfahrzeuge unterhalb dieser Länge dürfen sowohl durch die Windparks, als auch in den Sicherheitszonen fahren. Unter bestimmten Gegebenheiten müssen sie diese Gebiete aber umgehend verlassen: bei eingeschränkter Sicht (Sichtweite unter 1000 Meter und Dunkelheit) und bei mehr als 6 Windstärken. Dort treffen sie auf die Fahrgebiete der Berufsschifffahrt. In einem Artikel in der Yacht Nr.1 vom 19.12.12 wird darauf hingewiesen, dass die Radarechos der Windkraftanlagen die Echos der Sportboote „verschlucken“, so dass man erst nach dem Verlassen des Windparks überhaupt auf dem Radarschirm auftaucht. Hier gelten die Regeln der KVR, so dass die Berufsschifffahrt gegenüber den Segelbooten ausweichpflichtig ist und unter Umständen zu sehr plötzlichen Manövern gezwungen wird.
Im Dunkeln sind die Anlagen beleuchtet und könnten mit ihren Lichtsignalen von den kleinen Dreifarbenlaternen der Segler ablenken. Ganz besondere Vorsicht ist aber bei Nebel geboten, da sich dann der ganze Schiffsverkehr auf das Gebiet außerhalb der Anlagen verlagert.
Es empfiehlt sich auf jeden Fall, die Bekanntmachungen für Seefahrer regelmäßig zu verfolgen, um Informationen über neue eingerichtete Windpark-Baustellen zu erhalten. Diese findet man u. a. in Hafenbüros, aber auch im Internet (elwis). Auf der Internetseite der dänischen Söfartsstyrelsen findet man unter efterretninger for sofarende Links zu den Seefahrtsnachrichtenseiten von Norwegen, Schweden, Island, Deutschland, England und Canada.
Sparmaßnahmen bei Holländischen Seekarten: Aus Kostengründen werden diese nur noch alle zwei Jahre neu aufgelegt. Dazwischen können Segler nautische Aktualisierungen unter www.hydro.nl abrufen.