erstellt am: 2. März 2014 / Ausbildung

2013 Bericht Beisitzerin 4 – Nautik, Sicherheit u. Führerscheinwesen – Kerstin Kröger

Ausbildung und Führerscheine

Das Interesse an Führerscheinprüfungen zu den Amtlichen Sportbootführerscheinen hat wieder zugenommen, so verzeichnete der DSV in 2012 und 2013 einen Anstieg der abgelegten Prüfungen. Dagegen werden die Führerscheine Sportküstenschiffer, Sportseeschiffer und Sporthochseeschiffer, die nicht verpflichtend für die Führung eines Sportbootes sind, nach wie vor immer weniger nachgefragt oder stagnieren.

Die Quote derjenigen, die Prüfungsteile nicht bestehen, nimmt zu. Die Umstellung auf das Multiple Choice-Verfahren, das ein sehr genaues Lesen der Antwortmöglichkeiten notwendig macht, ist für einige Prüflinge möglicherweise zu ungewohnt oder wurde in seiner Schwierigkeit unterschätzt. Beim SKS scheitern die meisten Prüflinge an den Kartenaufgaben, die geringste Nichtbestehens-Quote gibt es in der Praxis.

Dagegen gibt es bei den Funkscheinen UBI, SRC und LRC eine erfreuliche Abnahme beim Nichtbestehen. Sie liegt lediglich bei der LRC-Praxis im niedrigen zweistelligen Bereich.

Nachdem die Fahrerlaubnispflicht auf Fahrzeuge mit einer Motorleistung von mehr als 11,03 kW angehoben wurde, sind einige Fragen in den Fragenkatalogen geän-dert worden. Diese Änderungen sind zeitnah in die in „elwis“ veröffentlichen Fragekataloge eingepflegt worden.

Am 17. Januar 2013 sind Änderungen für die Durchführung des Prüfungswesens für die amtlichen Sportbootführerscheine in Kraft getreten, die folgendes beinhalten:

-Bei Navigationsaufgaben werden Folgefehler, also wenn mit falschem Ergebnis richtig weitergerechnet wird, nur als 1 Fehler bewertet.

-Bei Legasthenie oder mangelnden Deutschkenntnissen gibt es für die schriftlichen Prüfungen die Möglichkeit einer Schreibzeitverlängerung, diese muss aber vorher beantragt werden.

-Die Prüfungsboote müssen ab 1.1.2014 eine Motorisierung von mehr als 11,05 kW (15 PS) haben.

-Bei Wiederholungsprüfungen wird die Frist für die Anerkennung bestandener Prü-fungsteile von bisher 6 auf 12 Monate verlängert.

-SBF Binnen: Farbsehen: Bei Grünschwäche mit einem Anomalquotienten von mehr als 6,0 ist der Anwärter untauglich, ein Ausgleich durch Auflagen nicht möglich.

-Die Prüfung von Seeschärfe und Farbsehen ist nun auch bei einem Optiker möglich.

-Bei Knotenprüfungen muss nicht nur der Knoten einwandfrei vorgeführt werden können, sondern es muss auch seine Funktion und Verwendung richtig erklärt wer-den.

-Der Prüfling muss innerhalb von 12 Monaten alle Prüfungsteile (auch Wiederho-lungsprüfungen) ablegen, eine Fristverlängerung wird auch im Fall von Krankheit oder Schwangerschaft nicht gewährt.

 

Bei den SKS-Prüfungen wird ab 1. 5. 2014 nur noch die Seekarte 49 zum Einsatz kommen. Die bisherigen Karten D30 und 1875 werden nach Beendigung der Über-gangszeit am 30.4. 2014 auch bei Wiederholungsprüfungen nicht mehr eingesetzt. Bis dahin haben die Bewerber die Wahl, ob sie bei der Prüfung die alte oder die neue Version der Prüfungsaufgaben/Seekarten bearbeiten wollen.

 

Die Prüfungsausschüsse des DSV sind über neue Verknüpfungen über die DSV-Seite zu finden: www.dsv.org, z.B. gro.g1511136805rubma1511136805h-ssu1511136805hcssu1511136805asgnu1511136805feurp1511136805@ofni1511136805, d.h. man kann diese nun im Internet bzw. per E-Mail erreichen. Kontaktdaten und Zulassungsanträge findet man im Internet, letztere müssen aber ausgedruckt und unterschrieben werden, sind also nicht auf elektronischem Weg zurückzusenden. Außerdem muss bei zweiseitigem Ausdruck erkenntlich sein, dass beide Seiten zusammengehören. Grundsätzlich gibt es keine Verpflichtung, die Prüfung bei einem bestimmten PA abzulegen. Der PA Hamburg ist zum Beispiel derzeit für die Funkprüfungen in Kiel zuständig.

Der DSV hat für seine Prüfer für die amtlichen Führerscheine Richtlinien erarbeitet, die zum Beispiel Tauglichkeit, Führungszeugnisse und Nachschulungen beinhalten.

 

Die Beleihung des ADAC mit der Berechtigung zur Durchführung von Sportbootführerscheinprüfungen ist noch nicht vollzogen, sie wird zurzeit noch geprüft, ist aber wohl von der Politik gewollt. Der ADAC hat auch maßgeblich an der Heraufsetzung der Motorisierungsgrenze mitgearbeitet. Die Interessenlage der Verbände, die hinter dem ADAC stehen, dürfte sich nicht mit der der im DSV und DMYV vertretenen Vereine und der Segler-Verbände decken.

Ausrüstung und Sicherheit

Es gibt einige Erleichterungen für Charterer, was die Seenotsignalmittelausrüstung angeht, die in
§12 des Waffengesetzes nachzulesen sind. Auch Personen, die bei Wettfahrten Startsignale mit Schreckschuss- oder Signalmunition abgeben, sind von der Erlaubnispflicht zum Führen dieser befreit, wenn ihnen die Waffe nicht gehört.

Grundsätzlich braucht der Eigner einer seegehenden Yacht einen Sachkundenachweis nach dem Waffenrecht für das Führen einer Signalpistole Kaliber 4. Der DSV nimmt diese Prüfungen seit 2002 nicht mehr ab.

Informationen über die Gesetzeslage bezüglich Signalwaffen gibt es unter www.polizei.hamburg.de.

Für den Erwerb von erlaubnispflichtigen Handseenotsignalmitteln Klasse P 2 ist ein Fachkundenachweis nach dem Sprengstoffrecht erforderlich.

Für Kunden von Charterfirmen gibt es hier nun zum Teil Ausnahmen, über die man sich am besten bei den Vercharterern erkundigt. Hier ist die Gesetzgebung dem Wassertourismus sehr entgegengekommen.

Nach wie vor gibt es aber auch erlaubnisfreie Seenotsignalmittel, wie zum Beispiel taschenlampenähnliche Signalgeber, die sich besonders für die Ausrüstung im nahen Küstenbereich eignen.

Eine neue EU-Richtlinie wird möglicherweise dazu führen, dass Seenotsignalmittel aus der Sprengstoffverordnung herauskommen, wenn die Nettoexplosivstoffmasse unter dem Grenzwert bleibt.

Die US Coast Guard führt zurzeit eine Studie zu Alternativen für pyrotechnische Signalmittel durch, superhelle LEDs könnten eventuell Handfackeln ersetzen.

 

Benutzer von automatischen Schwimmwesten müssen darauf achten, dass diese nicht zu alt sind. Im Rahmen des Gerätesicherheitsgesetzes sowie der Produkthaf-tung werden die Hersteller verpflichtet eine maximale Lebensdauer anzugeben. Diese ist in der Regel auf zehn Jahre begrenzt worden. Dies gilt jedoch nur, wenn ein höchstens zweijähriger Wartungsabstand eingehalten wurde. Schwimmwesten mit einer Service-Plakette des Fachverbandes Seenot-Rettungsmittel e.V. zeigen auf dieser Monat und Jahr der nächsten fälligen Wartung. Diese muss durch den Hersteller oder eine autorisierte Fachfirma durchgeführt werden. Wird im zehnten Jahr eine Prüfung durchgeführt, so wird der nächste Wartungszeitraum auf nur ein Jahr festgelegt. Danach kann die jährliche Prüfung nur noch vom Hersteller selbst durchgeführt werden und die Plakette wird der Schwimmweste zuletzt im 14. Jahr nach der Produktion erteilt. Da die Materialien der aufblasbaren Schwimmwesten einem Alterungsprozess unterliegen und mit der Zeit spröde werden, können sich Risse oder Löcher bilden, zumal wenn die Schwimmwesten gefaltet weggestaut wurden. Auch Aufblasvorrichtung oder andere Bauteile der Schwimmweste sind von Alterungserscheinungen betroffen. Deshalb sollte man hier nicht am falschen Platz sparen.

Auch Feststoffwesten, die ansonsten wartungsfrei sind, müssen regelmäßig einer Sichtprüfung unterzogen werden. Die Kunststoffe, aus denen sie bestehen, können sich durch Hitze- und UV-Einwirkung, falsche Lagerung und Handhabung verändern und das kann zu einer lebensgefährlichen Verminderung der Sicherheit führen. Auch hier beträgt die maximale Lebensdauer 10 Jahre. Im Zweifelsfall sollte man sich an den Hersteller wenden.

Im gewerblichen Bereich und für den Bereich SOLAS sind die Vorschriften noch strenger und die Inspektionsintervalle, bzw. die Lebensdauer verkürzt.

Schwimmwesten aus ausländischer, besonders asiatischer Produktion entsprechen teilweise nicht den FSR-Anforderungen. Eine Kennzeichnung auf dem Gurtsystem nach EN1095 oder EN ISO12401 sollte vorhanden sein.

Ist eine Schwimmweste mit zwei D-Ringen ausgestattet, so muss der Karabiner der Lifeline immer durch beide Ringe geführt werden, damit die nötige Festigkeit im Belastungsfall erreicht wird.

Interessant für die Sicherheitsausrüstung sind AIS-Seenotsender, die am Menschen getragen werden können und nach dem Überbordgehen das Auffinden erleichtern sollen. Schwimmwestenhersteller raten jedoch dringend, darauf zu achten, dass diese Geräte nicht so an Schwimmwesten befestigt werden, dass diese Scheuerstellen bekommen oder durch scharfe Kanten bzw. Antennen beschädigt werden. Es soll in Zukunft Schwimmwesten geben, an denen Aufnahmetaschen für solche Geräte befestigt sind.

Ein Sicherheitstraining für Sportbootfahrer wird von verschiedenen Anbietern unter anderem in Hamburg angeboten. Neben theoretischen Hintergrundinformationen werden bei Wochenendkursen in ca. 20 Stunden Theorie und Praxis auch der Um-gang mit Rettungsinseln und Schwimmwesten im Wasser geübt, weitere Inhalte sind unter anderem Brand- und Leckbekämpfung .(siehe auch Internetseite des Deutschen Segler-Verbandes „Safety at Sea“-Kurse).

Navigation

Im Hamburger Hafen gilt für Sportboote eine Höchstgeschwindigkeit von 12 kn (22km/h), in einigen angrenzenden Kanälen und Fleeten sind jedoch nur 4,3 kn (8 km/h) erlaubt. Bei verminderter Sicht gelten Fahrbeschränkungen für Sportfahr-zeuge ohne Radar und UKW-Sprechfunk. Diese Schiffe dürfen nur dann im Fahrwasser fahren, wenn mindestens ein Ufer sichtbar ist, wenn das Fahrwasser gequert werden soll, müssen ständig beide Ufer sichtbar sein. Alle Tankschiffhäfen sind für die Sportschifffahrt gesperrt.

Für mit Sprechfunk ausgerüstete Sportboote gilt auf der Elbe eine Mithörpflicht der Revierkanäle (Brunsbüttel Elbetraffic Kanal 68, Cuxhaven Kanal 71).

Bereits während der Saison 2013 wurde in dänischen Fahrwassern damit begonnen, die Fahrwasserbetonnung auszutauschen. Die neuen Tonnen tragen keine Toppzeichen mehr.

Ende 2014 werden die Radio-Seewetterberichte eingestellt. So ist es gut, dass sich immer neue Möglichkeiten bieten, Wetterdaten und –Berichte einzuholen. Anbieter bieten für Smartphones und Tablets Apps an, die sogar eine Routenpla-nungsfunktion enthält. Sie liefert eine Fünf-Tages-Prognose wahlweise für Ostsee, Nordsee und Mittelmeer. Bei der Installation lädt die App automatisch die Hintergrundkarten und Programmdaten herunter, bei der späteren Nutzung werden dann nur die Wetterdaten aktualisiert. Den benötigten Zeitraum von Urlaubsversion bis Jahresabo kann der Nutzer selbst wählen. In den gängigen Segelsportzeitschriften sind Adressen der Anbieter zu finden. Inzwischen gibt es auch verschiedene Navigations-Apps für Smartphones und Tablets, hier können sogar zum Teil AIS-Daten empfangen werden, zumindest solange Internet-Empfang vorhanden ist, oder auch Wetterdaten angezeigt werden. Die Entwicklung schreitet hier stetig voran, so dass es durchaus Sinn macht, sich vor Beginn der Saison über elektronische Angebote zu informieren. Amtliche Seekarten, die auf dem neuesten Stand sind, werden dadurch aber nicht ersetzt. Diese müssen auch beim Einsatz neuester Programme immer an Bord sein und die Grundlage der Navigation bilden.

Kerstin Kröger